Sein Leben
Münchhausen erzählt
Andere erzählen
Sein Geburtsort
Das Münchhausenzimmer
Die Münchhausenspiele
Quellen
Links
Kontakt

Der "Lügenbaron"?? - Der große Fabulierer!!!

Münchhausen hat sich, wie Ohrenzeugen übereinstimmend berichten, nie mit seinen Geschichten in den Vordergrund gespielt - die Erzählungen ergaben sich aus Stimmungen und Gelegenheiten ganz selbstverständlich. Damals ist vielleicht das berüchtigte Wort vom "Lügenbaron" aufgekommen, das Münchhausen so gekränkt hat. Es ist ein unberechtigtes Wort, denn Phantasie und Lüge sind zweierlei! Der große Fabulierer wird im Gegenteil von denen, die ihn kannten, stets als das Vorbild eines ehrenhaften und wahrheitsliebenden Edelmannes geschildert. Oftmals hat er ein faustdickes Histörchen erzählt mit dem Zweck, einen Aufschneider noch zu übertrumpfen. Ein solcher Vorfall ist überliefert:

Bei einem Festessen in Hannover prallten einige junge Adlige mit ihrem Glück bei den Damen, das sie bei einer Schlittenfahrt erprobt hatten. Münchhausen warf daraufhin beiläufig ein, das sei doch gar nichts! Und dann schilderte er höchst anschaulich eine Hofschlittenfahrt in Petersburg, zu der die Kaiserin persönlich ihn eingeladen hatte, beschrieb ausführlich den riesigen Hofschlitten mit Ballsaal und Audienzzimmer darauf und erzählte, wie die Hofjunker ihre Schönen auf der frisch beschneiten Schlittenplattform mit Handschlitten spazierengefahren hätten. - Die Schwadroneure schwiegen beschämt, Münchhausen hatte die Lacher auf seiner Seite, aber er aß so unbekümmert weiter, als habe er mit alledem nichts zu tun.

Zu den interessantesten Gegenständen aus dem Nachlass von Münchhausen gehört eine riesige Flüstertüte aus Metall, die für Münchhausen unentbehrlich war. Die Geschichte von der Flüstertüte erzählt ihnen der Museumsmann. Er zeigt ihnen vom Fenster aus ein schmales, hohes Haus am Waldhang gegenüber. Es war Münchhausens Grottenhaus, in dem er abends oft mit seinen Freunden saß und angeregt vom Wein seine Abenteuergeschichten erzählte. Früher lag Bodenwerder auf einer Weserinsel, einem Werder. Der Berghang war durch einen Weserarm vom Gutshaus getrennt. Münchhausen konnte nur über eine Brücke im Nachbarort Kemnade sein Grottenhaus erreichen. Wenn nun der Herrengesellschaft dort oben der Wein ausging oder sie Hunger hatten, nahm Münchhausen seine große Flüstertüte und rief durch sie zum Gutshaus seine Befehle hinunter. Eilig machte sich dann eine Magd auf den Weg und brachte über die Kemnader Brücke die gewünschten Dinge zum Grottenhaus hinauf.

Gedacht werden muss zum Abschluss noch der letzten Ruhestätte des alten Fabulierers der Klosterkirche des benachbarten Kemnade. Münchhausens Vater erwarb das ehemals von Eslebesche Gewölbe, und hier wurde auch Hieronymus beigesetzt - allerdings gegen den Willen der Gemeinde Kemnade, die aus gesundheitlichen Gründen gegen weitere Bestattungen protestierte. Mit Recht, denn der feuchte Untergrund verhinderte eine normale Verwesung der Körper in den Gewölben. Der Zustand wurde immer unerträglicher. Schließlich empfahl der Pastor als letztes Mittel seiner Gemeinde, während des Gottesdienste ,,heile Nelken" in den Mund zu nehmen. Um 1860 füllte man einen Teil der Gewölbe mit Kies auf, die Toten wurden auf den Friedhof umgebettet. Die letzten Familiengrüfte sind dann um die Jahrhundertwende zugeschüttet worden, darunter die Münchhausensche. Der Schriftsteller Carl Haensel war als Junge heimlicher Zeuge der Graberöffnung. Er schildert das Erlebnis:

"Als der Sarg offen war, fielen den Männern die Geräte aus den Händen; im Sarg lag nicht ein Skelett, sondern ein schlafender Mensch mit Haar, Haut und Gesicht: Hieronymus Münchhausen. Im blauen Rock hatten sie ihn beigesetzt, einfach wie ein Landmann angezogen. Ein breites, rundes, gutes Gesicht mit einer starken Nase und einem beinah lächelnden Mund. Keine Narbe - kein Schnauzbart..." Ein plötzlicher Zugwind fuhr durch die Kirche. Der Tote zerfiel im Augenblick zu Staub... aus Gesicht wurde Schädel, aus der Gestalt ein Skelett."

- Die Gebeine des Toten sind damals nicht umgebettet worden, das Grab wurde verschlossen und die deckende Sandsteinplatte später bezeichnet. Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen ruht noch heute in der Kemnader Kirche.

       Startseie         
Seitenanfang