|
|

|
 |
| Münchhausen
erzählt: |
|
|
|

4
|
|
|
|
|
|
Pferd
am Kirchendach
Ich
trat meine Reise nach Russland von Haus ab mitten im Winter
an, weil ich ganz richtig schloss, dass Frost und Schnee die
Wege durch die nördlichen Gegenden von Deutschland, Polen,
Kur- und Livland, welche nach der Beschreibung aller Reisenden
fast noch elender sind als die Wege zu den Tempeln der Tugend,
endlich, ohne besondere Kosten hochpreislicher, wohlfürsorgender
Landesregierungen aus bessern müssten. Ich reiste zu Pferde,
welches, wenn es sonst nur gut um Gaul und Reiter steht, die
bequemste Art zu reisen ist. Denn man riskiert alsdann weder,
mit irgendeinem höflichen deutschen Postmeister eine Affaire
d'honneur zu bekommen, noch von seinem durstigen Postillion
vor jede Schenke geschleppt zu werden. Ich
war nur leicht bekleidet, welches ich ziemlich übel empfand,
je weiter ich nach Nordosten hin kam. Des Reitens müde stieg
ich ab und band mein Pferd an eine Art von spitzem Baumstaken,
der über dem Schnee hervorragte. Zur Sicherheit nahm ich meine
Pistolen unter den Arm, legte mich nicht weit davon in den
Schnee nieder und tat so ein gesundes Schläfchen, dass mir
die Augen nicht eher wieder aufgingen, als bis es heller,
lichter Tag war. Wie gross war aber mein Erstaunen, als ich
fand, dass ich mitten in einem Dorf auf dem Friedhof lag!
Mein Pferd war anfänglich nirgends zu sehen; jedoch hörte
ich's bald darauf irgendwo über mir wiehern. Als ich nun emporsah,
so wurde ich gewahr, dass es an den Wetterhahn des Kirchturms
gebunden war und von da herunterhing. Nun wusste ich sogleich,
wie ich dran war. Das Dorf war nämlich die Nacht über ganz
zugeschneit gewesen; das Wetter hatte sich auf einmal umgesetzt;
ich war im Schlaf nach und nach, so wie der Schnee zusammengeschmolzen
war, ganz sanft herabgesunken; und was ich in der Dunkelheit
für ein Bäumchen, das über den Schnee herausragte, gehalten
und daran mein Pferd gebunden hatte, das war das Kreuz oder
der Wetterhahn des Kirchturms gewesen. Ohne mich lange zu
bedenken, nahm ich eine von meinen Pistolen, schoss nach dem
Halfter, kam glücklich auf die Art wieder an mein Pferd und
verfolgte meine Reise.
|
 |
|
|
|
|
|
|