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Münchhausen erzählt:
Kugelritt
1
Hirsch mit dem Kirschbaum
6
Achtbeiniger Hase
9

Kirschbaum-Hirsch

Was ein richtiger Jägersmann ist, der erlebt eben die merkwürdigsten Dinge. Sie haben unstreitig, meine Herren, von dem heiligen Schutzpatron der Waidmänner und Schützen, St. Hubert, nicht minder auch von dem stattlichen Hirsch gehört, der ihm einst im Walde aufstieß und welcher das heilige Kreuz zwischen seinem Geweih trug. An diese Geschichte wurde ich einmal lebhaft erinnert. Einst, als ich mein Blei verschossen hatte, stieß mir, ganz wider meine Vermutung, der stattlichste Hirsch von der Welt auf. Er blickte mir so mir nichts, dir nichts ins Auge, als ob er es auswendig gewusst hätte, dass mein Beutel leer war. Augenblicklich aber lud ich meine Flinte mit Pulver und darüber her eine ganze Handvoll Kirschkerne, wovon ich, so hurtig sich das tun ließ, das Fleisch abgezogen hatte. Und so gab ich ihm die volle Ladung mitten auf seine Stirn zwischen das Geweih. Der Schuss betäubte ihn zwar, er taumelte, machte sich aber doch aus dem Staube. Ein oder zwei Jahre danach war ich in eben demselben Walde auf der Jagd. Und siehe, zum Vorschein kam ein stattlicher Hirsch mit einem voll ausgewachsenen Kirschbaum zwischen seinem Geweih. Mir fiel gleich mein voriges Abenteuer wieder ein; ich betrachtete den Hirsch als mein längst erworbenes Eigentum und legte ihn mit einem Schuss zu Boden, wodurch ich denn auf einmal an Braten und Kirschtunke zugleich geriet. Denn der Baum hing reichlich voller Früchte, die ich in meinem ganzen Leben so delikat nicht gegessen hatte.

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