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| Münchhausen
erzählt: |
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7
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Zwischen
dem Löwen und dem Krokodil
Es
mochten ungefähr vierzehn Tage seit unserer Ankunft auf Ceylon
verstrichen sein, als mir der älteste Sohn des Gouverneurs
den Vorschlag tat, mit ihm auf die Jagd zu gehen, den ich
auch herzlich gern annahm. Mein Freund war ein großer starker
Mann und an die Hitze jenes Klimas gewöhnt; ich aber wurde
in kurzer Zeit und bei ganz mäßiger Bewegung so matt, dass
ich, als wir in den Wald gekommen waren, weit hinter ihm zurückblieb.
Ich wollte mich eben an dem Ufer eines reißenden Stromes,
der schon einige Zeit meine Aufmerksamkeit beschäftigt hatte,
niedersetzen, um mich etwas auszuruhen, als ich auf einmal
auf dem Wege, den ich gekommen war, ein Geräusch hörte. Ich
sah zurück und wurde fast versteinert, als ich einen ungeheuren
Löwen erblickte, der gerade auf mich zukam, und mir nicht
undeutlich merken ließ, dass er gnädigst geruhe, meinen armen
Leichnam zu seinem Frühstück zu machen, ohne sich nur meine
Einwilligung auszubitten. Meine Flinte war bloß mit Hasenschrot
geladen. Langes Besinnen erlaubte mir weder die Zeit noch
meine Verwirrung. Doch entschloss ich mich, auf die Bestie
zu feuern, in der Hoffnung, sie zu schrecken, vielleicht auch
zu verwunden. Allein, da ich in der Angst nicht einmal wartete,
bis mir der Löwe zum Schusse kam, so wurde er dadurch wütend
gemacht und kam nun mit aller Heftigkeit auf mich los. Mehr
aus Instinkt als aus vernünftiger Überlegung versuchte ich
eine Unmöglichkeit - zu entfliehen. Ich
kehre mich um, und - mir läuft noch, so oft ich daran gedenke,
ein kalter Schauder über den Leib - wenige Schritte von mir
steht ein scheußliches Krokodil, das schon fürchterlich seinen
Rachen aufsperrte, um mich zu verschlingen. Stellen Sie sich,
meine Herren, das Schreckliche meiner Lage vor! Hinter mir
der Löwe, vor mir das Krokodil, zu meiner Linken ein reißender
Strom, zu meiner Rechten ein Abgrund, in dem, wie ich nachher
hörte, die giftigsten Schlangen sich aufhielten. Betäubt -
und das war einem Herkules in dieser Lage nicht übelzunehmen
- stürzte ich zu Boden. Jeder Gedanke, den meine Seele noch
vermochte, war die schreckliche Erwartung, jetzt die Zähne
oder Klauen des wütenden Raubtieres zu fühlen oder in dem
Rachen des Krokodils zu stecken. Doch in wenigen Sekunden
hörte ich einen starken, aber durchaus fremden Laut. Ich wage
es endlich, meinen Kopf aufzuheben und mich umzuschauen, und
- was meinen Sie? - zu meiner unaussprechlichen Freude finde
ich, dass der Löwe in der Hitze, in der er auf mich los schoss,
in ebendem Augenblicke, in dem ich niederstürzte, über mich
weg in den Rachen des Krokodils gesprungen war. Der Kopf des
einen steckte nun in dem Schlunde des anderen, und sie strebten
mit aller Macht, sich voneinander loszumachen. Gerade noch
zur rechten Zeit sprang ich auf, zog meinen Hirschfänger,
und mit einem Streiche haute ich den Kopf des Löwen ab, so
dass der Rumpf zu meinen Füßen zuckte. Darauf rannte ich mit
dem unteren Ende meiner Flinte den Kopf noch tiefer in den
Rachen des Krokodils, das nun jämmerlich ersticken musste.
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